Heute gebe ich die Fragen zurück an eine, die unsere Interviewreihe #durchdenwinter mitgestaltet und auch Expertin in eigener Sache ist. Teil 1 gab es vor zwei Wochen – und da war der Frühling greifbarer als heute! Doch morgen beginnt der Frühling, zumindest auf dem Papier, und Sophie lässt uns teilhaben und schließt unsere Interviewreihe motivierend ab.

 

Wie geht es dir momentan?

Im Moment geht es mir ganz gut, das bessere Wetter hat meine Laune sehr verbessert. Der größte Teil vom Winter war hart, aber jetzt kann ich den Frühling schon sehen und mich darauf freuen. Es tut mir so gut, länger als ein, zwei Stunden mit Freunden draußen zu sein, ohne dass ich mich danach wie ein Eiszapfen fühle.

 

Wie schaffst du es, deinen beruflichen und deinen privaten „Space“ – die unterschiedlichen Lebenssphären – auseinanderzuhalten, wenn du zu Hause arbeitest?

Ich habe meine Schreibtischecke, an der ich eigentlich nur arbeite oder schreibe. Ich versuche morgens immer erst einmal eine kleine Runde Yoga zu machen, bevor ich frühstücke und mich danach an den Schreibtisch setze. Es ist ziemlich schwierig, da ich in einer Einzimmerwohnung lebe. Mir fehlt es, einen Arbeitsweg zu haben, auf dem man sich mental auf die Arbeit einstellen kann.

Aber ich bin sehr froh und dankbar darüber, die Möglichkeit zu haben, im Homeoffice arbeiten zu dürfen. Meiner Meinung nach sollten das viel, viel mehr Unternehmen erlauben.

 

Welche Kraftquellen nutzt du? Hast du dir neue Kraftquellen während der Zeit mit Kontaktbeschränkungen erschlossen?

Ich ziehe meine Kraft daraus, ein gutes Verhältnis zwischen Zeit für mich (Metime) und Zeit mit Anderen (Socialtime) zu schaffen. Ich versuche, jeden Tag jemanden zu treffen, draußen und mit Abstand. Wenn meine Freunde keine Zeit haben, dann telefoniere ich mit Familie oder Freunden, das habe ich in der Pandemie nochmal explizit als Kraftquelle wahrgenommen.

Socialtime lenkt mich von Gedankenspiralen ab. Genauso brauche ich aber meine Metime, von der ich im letzten Jahr aber mehr als genug hatte.

Außerdem gibt mir Yoga viel Kraft. In letzter Zeit gehe ich viel nach draußen, zum Cossi, Kulki oder in den Wald, die Natur hilft mir sehr.

Ich brauche aber auch Serien und Filme auf der Couch. Neu entdeckt habe ich auch Podcasts.

 

Welche Bedeutung haben sportliche Aktivitäten für deine seelische Gesundheit? Hast du im letzten Jahr (oder in diesem Winter) Veränderungen bemerkt?

Was den Sport betrifft, bin ich noch lange nicht da, wo ich hinmöchte. Meine Psychologin sagt immer, ich soll mehr Cardio-Training machen. Ich weiß, dass es guttut, laufen zu gehen, aber oft fehlt mir die Energie. Ich hoffe, dass mich das gute Wetter weiterhin motiviert. Ansonsten mache ich jeden Tag Yoga, auch wenn es manchmal nur fünf Minuten täglich sind. Durch das viele Sitzen (im Büro könnte ich meinen Tisch hochfahren und im Stehen arbeiten!) haben sich meine Rückenschmerzen verschlimmert. Noch ein weiterer Grund für mehr Sport!

 

Welche Aktivitäten helfen dir #durchdenwinter? Was würdest du anderen Betroffenen raten, gut #durchdenwinter zu kommen?

Mir hilft eine Mischung aus Kontakten, Zeit für mich, Achtsamkeit (besonders Yoga und Lesen), Sport, Sonne und mich auf der Couch auszuruhen.

Anderen Betroffenen würde ich raten, einen Wochenplan zu führen, wann welche Kontakte aktiviert werden können: Ich schreibe mir zum Beispiel auch auf, wenn ich jemanden anrufe. Dann fühle ich mich gleich weniger allein. Ansonsten ist es wichtig, ehrlich zu sich zu sein, was die eigene Symptomatik betrifft. Wenn es schlimmer werden sollte, ist das völlig verständlich – denn mit dieser Pandemie erleben wir alle gerade ein kollektives Trauma. Bitte sprecht mit jemandem, wendet euch an das Bündnis, macht eine Therapie und findet heraus, welche Aktivitäten euch guttun. Wir schaffen das gemeinsam!

 

Danke für dieses starke Schlusswort, mit dem wir unsere Reihe beenden und allen Betroffenen, ihren Angehörigen einen guten Rutsch in den Frühling und eine gesunde Zeit oder gute Besserung wünschen möchten!

Euer Team Social Media

 

 

 

Nächste Woche teilen wir hier noch einen abschließenden Text mit Anregungen für den Übergang in den Frühling sowie eine Vorlage für einen persönlichen Krisenplan.

Das Leipziger Bündnis gegen Depression e.V. dankt ...

...dem Verband der gesetzlichen Krankenkassen und dem Verband der Ersatzkassen im Freistaat Sachsen, sowie ...