„Mamas graue Wolke“ von Lisa Wonka de Salazar

Ein Neuzugang in unserer Bibliothek

In dem Buch wird einfühlsam dargestellt, wie sich die psychische Erkrankung eines Elternteils auf die Gefühle und Bedürfnisse eines Kindes auswirken. Die Autorin Lisa Wonka de Salazar zeigt sensibel auf, wie sich Kinder Sorgen um ihre Eltern machen oder Scham vor anderen Kindern empfinden können. Während einer Erkrankung vermissen sie ganz besonders die Nähe und Geborgenheit, die ihnen ihre wichtigsten Bezugspersonen normalerweise vermitteln.

Jona versteht nicht, was mit Mama los ist. Sie weint jeden Tag, liest keine Gute-Nacht-Geschichten mehr vor und hat auch keine Lust mehr auf Spagetti-Eis. Papa erklärt, dass bei Mama eine graue Wolke zu Besuch ist, die sie traurig und sehr müde macht. Die Wolke ist so groß, dunkel und schwer, dass Mama es aus eigener Kraft nicht mehr schafft sie wegzupusten.
Im Laufe der Zeit lernt Jona, dass alle Gefühle – auch Traurigkeit – okay sind und niemand damit allein sein muss. Graue Wolken lassen sich vertreiben, indem man die Superkraft des Redens anwendet. Wenn Reden allein nicht mehr hilft, dann gibt es Unterstützung von sog. „Wirbelwindmachern“. Das sind Experten, die zeigen können, wie man mit ganz viel Wind die grauen Wolken wegpusten kann.

Die Hauptfigur erzählt aus der Ich-Perspektive. Sie befindet sich im Vorschulalter, weist eine starke Persönlichkeit auf und ist genderneutral. Sie bietet dadurch jedem Kind die Möglichkeit sich selbst in diese Person hineinzuversetzen. Die Autorin stellt das Thema Depression mit sehr poetischen, bildgewaltigen Worten dar, die Kinder gut verstehen können. Es ist daher für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter bestens geeignet.
Im Gegensatz zu anderen Kinderbüchern hat die Autorin den Schwerpunkt auf zwei wichtige Kernaussagen gelegt. Einerseits wird die kindliche Perspektive während er gesamten Geschichte nicht verlassen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es nicht die Aufgabe des Kindes ist, seinen Eltern zu helfen. Vielmehr wird in dem Kontext angedeutet, dass auch Kinder aufgrund der psychischen Erkrankung ihrer Eltern möglicherweise von Traurigkeit erfasst werden und therapeutische Begleitung benötigen.

Andererseits wird ein großer Teil zur Entstigmatisierung beigetragen. Es wird gezeigt, dass Depressionen jeden treffen können und wie belastend die Situation für Kinder sein kann, wenn sie darüber mit niemandem reden dürfen.
Illustriert wird das Buch von Lisa Rammensee, deren farbenfrohe, liebevolle Bilder die Seiten des Buches großflächig füllen. Zwischendurch werden die Lesenden direkt mit Fragen und Gedankenexperimenten angesprochen und dadurch zum Nachdenken angeregt. Am Ende des Buches hat die Autorin noch nützliche Hinweise für Kinder sowie die wichtigsten Kontaktadressen im Internet zusammengestellt.
Insgesamt handelt es sich um ein emotional berührendes Werk, das zugleich vorsichtig den Finger in die wunden Punkte unserer Gesellschaft legt. Einer der tiefgründigsten Sätze ist für mich: „Jedes deiner Gefühle möchte gesehen, gefühlt und … umarmt werden.“ Es ist die Kombination aus Mut, Ehrlichkeit und Sensibilität zugleich, die das Buch zu etwas Besonderem macht.

Dominique Liebscher

Das Leipziger Bündnis gegen Depression e.V. dankt …

… dem Verband der gesetzlichen Krankenkassen und dem Verband der Ersatzkassen im Freistaat Sachsen, sowie …