Heute stelle ich fünf Fragen an Yogalehrerin Uta, die uns einen Einblick in ihre Arbeit* und die Möglichkeiten des Yoga und Ayurveda gibt. 

 

Wie erleben Sie persönlich die Corona-Zeit? Hat sich in dieser Zeit Ihr eigenes Yoga-Üben verändert?

Durch die Corona-Zeit fühle ich mich in meiner beruflichen Arbeit eingeschränkt. Andererseits erlebe ich die Situation als ein Innehalten, als eine Ruhezeit zum Reflektieren und Hinterfragen von Zielen, Werten und Möglichkeiten. Es kommen Sinnfragen, für die im geschäftigen Alltag manchmal keine Zeit bleibt. „Wie wollen wir weiter machen auf diesem Planeten? Wie lassen sich persönliche Bedürfnisse und das Gemeinwohl noch besser in Einklang bringen? Wie kann ich als Einzelne durch meine täglichen Entscheidungen und mein Handeln zu einem besseres Gleichgewicht in Umweltfragen und im sozialem Miteinander beitragen?“

Die Ursachen der Coronakrise empfinde ich vor allem als eine Umweltkrise. Der Einfluss des Menschen auf den Planeten ist inzwischen größer geworden als die Selbstregulationsmechanismen der Natur. Natürliche Flächen nehmen ab, die Qualität von Ressourcen wie z.B. Wasser, Luft und Böden verringert sich, das Klima und die Ausprägung der Jahreszeiten verändern sich. Die gesundheitliche Schieflage, in die die Erde zunehmend geraten ist, wirkt sich gleichermaßen auf ihre Bewohner aus. Zudem nimmt das soziale Gefälle zu. An diesen Ursachen zu arbeiten, ist eine der großen Herausforderungen der aktuellen Zeit.

In meiner aktuellen Yoga-Praxis nutze ich die gleichen Methoden wie zuvor, konzentriere mich dabei aber zunehmend mehr auf die oben genannten Fragen, um in mir Antworten hinsichtlich meines persönlichen Beitrages zu finden.

 

Mit welchen beruflichen Herausforderungen haben Sie sich auseinandergesetzt?

Den größten Teil meiner Arbeit verbringe ich mit Yoga-Gruppen. Während der „engen“ Beschränkungen ist ein Präsenzunterricht nicht möglich. So führe ich einige Kurse online weiter. Das ist vorübergehend eine Alternative, um einen regelmäßigen Rhythmus zu erhalten. Eine direkte Yoga-Praxis in der Gruppe ist jedoch vielfach intensiver. Wir nehmen hier mit allen Sinnen auf. Auch ist der regelmäßige persönliche Austausch nicht zu unterschätzen, der eine vertraute Basis für das gemeinsame Üben schafft.

Eine größere Online-Herausforderungen war ein mehrstündiges Seminar zum Thema „Hatha-Yoga im Reha-Sport“, dass ich im Januar gegeben habe. Es funktionierte besser als gedacht, erforderte jedoch volle Konzentration und maximalen körperlichen Einsatz. Bewegungsübungen im Direktkontakt zu vermitteln, ist wesentlich einfacher, effizienter und bietet auch bessere Korrekturmöglichkeiten.

 

Als Yogalehrerin erleben und unterstützen Sie Menschen in Kontakt mit sich selbst und Ihren Körpern (Atem, Bewegungen, Stille). Welche Rolle können dabei psychische Erkrankungen spielen?

Yoga ist ein indisches Heilsystem, eine philosophische Lehre und ein Übungsweg zur Entwicklung des Menschen. Yoga umfasst Methoden, die sich sowohl an den Körper als auch Geist richten. Hierzu gehören Körperübungen, Atemtechniken, Tiefenentspannung, richtige Ernährung, positives Denken, Meditation und Reinigungsübungen. Die Methoden können präventiv genutzt werden, um die Gesundheit zu erhalten und die eigenen Grenzen zu erweitern oder auch therapeutisch zur Linderung von Krankheitssymptomen. Abhängig davon, ob körperliche oder psychische Symptome, werden passende Übungen ausgewählt, die sich an den jeweiligen Bedürfnissen orientieren.

Da Yoga vor allem zum Ziel hat, die Gedanken im Geist zur Ruhe zu bringen, kann sich Yoga sehr hilfreich auf psychische Erkrankungen auswirken. Yoga bietet eine Vielfalt an Übungen und Methoden. Bei Erkrankungen ist es wichtig, auf eine geeignete Auswahl an Übungen zu achten, die sie günstig beeinflussen.

 

Wie kann Yoga dazu beitragen, ins Gleichgewicht zu kommen, wenn man in seelische Krisen allgemein oder eben auch in diese einmalige Situation, die wir alle momentan erleben, gerät?

Wichtig ist, die für die eigenen Bedürfnisse passenden Übungen zu finden und diese regelmäßig zu praktizieren. Dabei ist es effektiver, möglichst täglich Übungen zu einer bestimmten Zeit zu machen, als unregelmäßig eine lange Einheit. In einem Yoga-Kurs kann man sich hierzu regelmäßig Anregungen holen und ein Teil der Übungen auch außerhalb des Kurses für sich praktizieren. Es ist eine Form der regelmäßigen Konzentration, des In-sich-Hineinspürens, der Selbstreflexion und der eigenen Geistkontrolle.

Die Körper- und Atemübungen helfen, den Körper zu stärken, ihn zu reinigen und unterstützen die Verdauung. Das hat eine positive Rückkoppelung auf den Geist. Bei regelmäßiger Praxis kann Yoga ein Fundament schaffen, das einen Rückzugsort bietet und den Übenden gegenüber äußeren Einflüssen stärkt.

 

Welche Tipps haben Sie, um gut #durchdenwinter zu kommen?

In der Winterzeit hält die Natur inne, sammelt sich, schöpft neue Kräfte für die wärmeren und aktiveren Jahreszeiten. Auch wir Menschen können diese Zeit nutzen, um uns zu sammeln, zu ordnen, zur Ruhe zu kommen und Kräfte aufzutanken.

Aufgrund der sich verändernden Umwelt und den damit entstehenden Herausforderungen (neue Krankheiten, starke Wetterschwankungen und extreme Wetterlagen) ist es wichtig, sowohl das eigene Immunsystem zu stärken als auch auf einen behutsamen Verbrauch der Ressourcen unseres Planeten zu achten. Ein naturnahes Leben, angepasst an natürliche Rhythmen fördert die Gesundheit. Reinlichkeit ist von großer Bedeutung. Dazu gehört die Reinhaltung des Körpers (außen wie innen), der Wohn- und Arbeitsumgebung und der Umwelt. Zur äußeren Körperreinigung ist es günstig eher lauwarmes oder kühles Wasser zu verwenden, da heißes Wasser die Haut öffnet und nach außen anfällig macht. Die innere Reinlichkeit bezieht sich auf die Ernährung. Hier ist es günstig, das auszuwählen, was sauber (frei von Schadstoffen), ganzheitlich belassen (z.B. keine Fertigprodukte), so frisch wie möglich und was gut zur eigenen Konstitution passt, damit es gut verdaut werden kann und dem Körper als gesunde Baustoffe und Energie zur Verfügung steht.

Der Schlaf sollte ausreichend sein, die beste Regenerationszeit (von 22 bis 2 Uhr) enthalten und nicht übertrieben lang sein. Sich täglich im Grünen aufzuhalten (mindestens ein bis zwei Stunden) versorgt uns mit viel Energie über die Atemluft und Sonne, sorgt für Bewegung, schärft unsere Sinne und gleicht das Gemüt aus. Sich hier regelmäßig aufzuhalten, besonders in Parks und Wäldern, kann entscheidend dazu beitragen, Stimmungsschwankungen auszugleichen. Tägliche, gezielte Körperübungen halten den Körper weich, leicht und geschmeidig, sorgen für eine gute Durchblutung, Verdauung und Reinigung durch verstärkte Ausleitung von Abfallstoffen.

Tägliche Routinemaßnahmen, wie sie im Ayurveda beschrieben werden (z.B. morgens täglich Zunge abschaben und Ölziehen, um die Keimbelastung zu mindern oder warmes Wasser trinken, um den Verdauungstrakt zu reinigen und den Stuhlgang zu fördern u.v.m.), helfen weiterhin, die Immunkraft zu stärken.

Singen, Musizieren oder Tanzen können sehr viel Freude bereiten, die Stimmung heben und dazu beitragen, sich selbst in einem kreativen Prozess besser kennenzulernen. In verschiedenen Yoga-Richtungen werden Mantren (Klangfolgen, denen eine Heilwirkung zugesprochen wird) allein oder in der Gruppe gesungen. Zudem ist Singen eine der besten Atemtechniken wegen des langsamen gleichmäßigen Ausatmens, welches den Geist beruhigt. Geistiger Friede und innere Harmonie ist eine große Hilfe zur Vermeidung oder Wiedergenesung, wenn Körper oder Geist im Ungleichgewicht sind. Sich täglich etwas Zeit nehmen, um in sich hinein zu spüren, dort nach Antworten auf wichtige persönliche Fragen zu suchen und die eigene Intuition zu schulen, können zu diesem Frieden beitragen. Dabei helfen vor allem Entspannungsmethoden.

 

Vielen Dank für Ihre Einblicke und Tipps!

 

 

* Mehr über Utas Yogapraxis finden Sie hier.

Momentan läuft ein geschlossener Yoga-Kurs im Rahmen des Projekts „Austausch bewegt! – die aktive Selbsthilfegruppe“ vom Leipziger Bündnis gegen Depression e.V. Wenn Sie sich für zukünftige Kurse interessieren, melden Sie sich gern bei uns!

Das Leipziger Bündnis gegen Depression e.V. dankt ...

...dem Verband der gesetzlichen Krankenkassen und dem Verband der Ersatzkassen im Freistaat Sachsen, sowie ...

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